Ehrenamt
Interkulturelle Teilhabe für Frauen aller Generationen in Köln
Carina Ebert · 15.10.2026
Rätseln im FEEnHaus. Foto: Carina Ebert
Holweide. Der Donnerstagnachmittag im „FEEn-Haus“ in der Piccoloministraße beginnt unspektakulär, zwischen Kaffeetassen und leisen Gesprächen. Ein paar Frauen sitzen bereits am Tisch, andere kommen nach und nach dazu, begrüßen sich herzlich, wechseln ein paar Worte. Es wird gelacht, gefragt, was es Neues gibt – aus der Nachbarschaft, aus der Welt.
Austausch für Frauen in Köln
Willkommen ist jede Frau über sechzig. Gesprochen wird hier am Tisch hauptsächlich Türkisch. Denn dass hier vor allem Frauen der sogenannten Gastarbeiterinnengeneration zusammenkommen, ist kein Zufall. Der Verein FEE e. V. setzt bei seinem Projekt „FEEnSchwung – Bewegung und Begegnung für Seniorinnen“ bewusst auf einen niedrigschwelligen Ansatz, der insbesondere Frauen erreichen soll, die sich von anderen Seniorinnen-Angeboten oft nicht angesprochen fühlen. Der kostenlose Treff wird aber auch von nicht türkischen Frauen wahrgenommen.
Nach der Begrüßung übernimmt Dilek Thalmann die Runde und verteilt Arbeitsblätter. Die Musikpädagogin leitet das Projekt. Seit Jahren bringt Thalmann Struktur in die Treffen und gleichzeitig Leichtigkeit. „Wir starten immer mit etwas für den Kopf“, erklärt sie. An diesem Tag sind es kleine Rätsel, zuvor wurde auch schon gemalt oder gemeinsam über ein Thema gesprochen. Mal geht es um thematisch passende Jahreszeiten oder Feiertage, mal taucht die Gruppe in ganze Kulturwelten ein – etwa in die Musik von Mozart.
Bewegung für Körper und Geist
Was zunächst wie ein klassischer Seniorentreff wirkt, hat ein klares Konzept: Aktivierung auf allen Ebenen. „Wir wollen die Frauen ganzheitlich erreichen“, sagt Thalmann. Nach der geistigen Einstimmung folgt Bewegung im Stuhlkreis. Erst vorsichtig, dann mit mehr Dynamik. Arme werden gehoben, Schultern gelockert, schließlich kommen kleine Bälle ins Spiel. Geschicklichkeitsübungen, die bis in die Fingerspitzen gehen – und selbst wenn mal ein Ball danebengeht, darf gelacht werden.

Dilek Thalmann zeigt Übungen, die die Frauen ganzheitlich fördern. Foto: Carina Ebert
Manche der Frauen kommen seit bis zu zehn Jahren regelmäßig. Einige nehmen weite Wege auf sich, eine Dame kommt jede Woche extra aus Niehl. Andere, wie Fatma Cakan, wohnen gleich um die Ecke. Die 73-Jährige ist seit über einem Jahrzehnt dabei. „Sonst sehe ich ja nur meine Familie“, sagt sie ruhig, aber bestimmt. Es ist ein Satz, der die Bedeutung dieses Ortes greifbar macht. Denn für viele Teilnehmerinnen ist das Projekt mehr als nur ein niedrigschwelliges Freizeitangebot. Es ist ein Ausbruch aus dem Alltag: einmal in der Woche rauskommen, andere sehen, sich austauschen. „Die Damen sollen hier wegkommen von Sorgen, von Krankheiten, vom Alltag – und vor allem: weg von Einsamkeit“, beschreibt es die Vereinsvorsitzende Fatoş Aytulun.
Treff und Teilhabe für alle Generationen
Gleichzeitig geht es auch um gesellschaftliche Teilhabe. Viele der Frauen haben eine Zuwanderungsgeschichte, bewegen sich oft in bekannten, aber auch abgeschirmten sozialen Strukturen. „Migrantische Milieus sind häufig geschlossene Systeme“, sagt Aytulun. „Es ist wichtig, sie zu öffnen und die Frauen in den Dialog zu bringen.“ Angebote wie dieses können dabei eine Brücke zwischen Kulturen und Lebensrealitäten sein.
„Die Damen sollen hier wegkommen von Sorgen, von Krankheiten, vom Alltag – und vor allem: weg von Einsamkeit“
Der Verein richtet sich dabei nicht nur an Seniorinnen, sondern an alle Altersklassen. Hier im Vereinshaus gibt es unter anderem einen offenen Treff mit Yogakursen für Frauen ab 25 Jahren, eine regelmäßige Kochgruppe sowie den „FEEnStammtisch“, eine offene Begegnungsstätte. Hinzu kommen kreative Gruppenangebote, Filmvorführungen, Kultur- und Lesereihen sowie Aktionen rund um Frauenrechte.
Mädchen von der 1. bis zur 7. Klasse erhalten Lernförderung und Sprachtraining. Unterstützung erhält der Verein dabei auch durch Ehrenamtliche – etwa bei Veranstaltungen, Ausflügen oder im Alltag der Vereinsarbeit. Dass alle diese Projekte nicht selbstverständlich sind, weiß der Verein. Die Räume stellt die GAG zur Verfügung, Geldmittel für „FEEnSchwung“ gibt die Bezirksvertretung Mülheim. Die Streichung von Fördergeldern trübt allerdings den Blick des Vereins in die Zukunft.

Gemeinsames Singen macht Spaß und es verbindet. Foto: Carina Ebert
Im Raum wird inzwischen gesungen. Ein altes türkisches Schullied erklingt, übersetzt heißt es sinngemäß „Alte Freunde“. Die Melodie ist vielen vertraut, einige stimmen sofort ein, als Dilek Thalmann auf der Gitarre spielt. Zwischen den Liedern wird geredet und gelacht. Die Atmosphäre ist entspannt, fast familiär. Für viele hier ist der Donnerstagnachmittag längst zu etwas geworden, worauf man sich die ganze Woche freuen kann.
FEE – Fördern und Erfolge Ernten
FEEnHaus,
Piccoloministr. 435,
Tel. 0221 / 99 30 93-20
www.fee-koeln.de
Interessiert?
Einfach vorbeikommen.
FEEnSchwung (für Frauen ab 60 Jahren) jeden Do, 13–16 Uhr
Der Verein freut sich über ehrenamtliche Unterstützung. Interessierte können sich an Fatoş Aytulun wenden:
Tel. 0178 / 769 07 23,
E-Mail: kontakt@fee-koeln.de
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Tags: Ehrenamt , einsam , Frauen , interkulturell , Nachbarschaft , Teilhabe , Türkisch , Verein