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Reisen und Ausflüge

Wein, Wandern, Wiederaufbau – das Ahrtal neu entdecken

Christopher Dröge · 05.09.2025

Foto: Max Harrus

Foto: Max Harrus

KölnerLeben hat sich in Bad Neuenahr-Ahrweiler umgeschaut.

Vier Jahre nach der verheerenden Flut sind die Trümmer aus den Straßen verschwunden. Die malerische Altstadt von Ahrweiler, mit ihren Fachwerkhäusern und der mittelalterlichen Stadtmauer, wirkt fast wieder so, als wäre hier nie etwas passiert. In Neuenahr schließen immer mehr frisch renovierte Geschäfte und Restaurants die Lücken in den Ladenzeilen.

Doch an vielen Stellen wird noch gebaut – für Gisela Fölbach, die 2021 in Sichtweite der Ahr wohnte und vier Tage lang in ihrer Wohnung im dritten Stock ausharren musste, eine unangenehme Begleiterscheinung. „Da ist es kein Wunder, dass nicht mehr so viele Touristen kommen“, meint sie.

Führender Kurort von Rheinland-Pfalz

„Bei vielen Sanierungsprojekten ist die Planung abgeschlossen, nun beginnt die Bauphase“, entschuldigt Meike Carll die intensive Bautätigkeit. Als Referentin des Vereins Ahrtal-Tourismus hat sie den Wiederaufbau gut im Blick, denn der Verein bietet eigens Wiederaufbau-Führungen an. Bei denen können sich die Teilnehmer selbst davon überzeugen, was sich alles bereits getan hat. „Ich denke, dass Gästen die positiven Veränderungen darum deutlicher ins Auge fallen als denjenigen, die hier leben“, sagt sie.

Mit Ehrgeiz arbeitet die Stadt auf ein klares Ziel hin: „Wir wollen wieder zum führenden Kurort von Rheinland-Pfalz werden“, sagt Dania Münch, Referentin für Gesundheitswirtschaft. Seit der Entdeckung einer Heilwasserquelle im Jahr 1861 trägt die Stadt das Gütesiegel eines Heilbads – elf Kliniken und Reha-Einrichtungen sind in Bad Neuenahr angesiedelt. Auf das Herzstück, die Ahr-Thermen, muss allerdings bis auf Weiteres noch verzichtet werden: Das über 120 Jahre alte Badehaus erlitt einen Totalschaden, die Grundsanierung steht an. Der umgebende Kurpark wurde schnell wieder provisorisch begehbar gemacht – noch immer liegt hier die von der Flut angespülte Maria-Hilf-Brücke. Auch der Park soll von Grund auf neugestaltet werden, doch wird er schon längst wieder für Veranstaltungen genutzt – vom weihnachtlichen „Uferlichter“-Fest im Winter bis hin zu Yoga im Sommer.

Wein und Wandern – das passt

Eine Attraktion, die nicht vom Hochwasser betroffen war, ist weiterhin der Rotweinwanderweg. Über ihn erreicht man die Hemmessener Hütte, die inmitten der Weinberge oberhalb von Bad Neuenahr liegt. Hier können sich Wanderer mit deftiger Kost und einem Glas Wein oder auch Kölsch stärken und den herrlichen Ausblick über das Tal genießen.

Gelegentlich finden Mitsingabende und Bürgerfeste statt. „Ich sage immer, das Ahrtal ist das Südtirol von Westdeutschland“, meint Daniel Hempen. Der Inhaber des Hotels Rodderhof in Ahrweiler ist bis heute mit dem Wiederaufbau seines Betriebs beschäftigt, doch die Mühe wurde 2024 mit einer Auszeichnung als „Hotelier des Jahres“ belohnt. „Der Weinwander-Tourismus ist für uns ganz entscheidend“, sagt er. Der war auch das Glück der Winzer. Als der Ahrweiler Marktplatz für den traditionellen Weinmarkt ausfiel, wichen sie auf die Weinberge aus. „Wir haben zusätzlich zum Weinfrühling den Weinherbst veranstaltet und den Ahrwein-Walk an Christi Himmelfahrt ins Leben gerufen, der ist unheimlich gut angekommen“, sagt der Winzer Peter Kriechel – so gut, dass er sich zur festen Einrichtung mausert, auch wenn der Weinmarkt längst wieder stattfindet.

Auch Kriechel stand vor dem Nichts, nachdem das Hochwasser seine Produktionsanlagen zerstört hatte, doch blickt er optimistisch in die Zukunft: „Es war ein furchtbares Unglück, aber es hat auch Raum geschaffen, um neu nachzudenken und alles schöner und moderner wieder aufzubauen“, sagt er, der in diesem Jahr die ersten Gäste seiner neuen Ferienwohnungen begrüßt.

Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e. V.
Oberstr. 8, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Tel. 02641 / 91 71-0
www.ahrtal.de

Rotweinwanderweg
Etwa 36 Kilometer von Altenahr bis Bad Bodendorf durch die Weinberge. Zahlreiche Winzer betreiben am Weg Gutsausschänke und Straußwirtschaften. Weg meist asphaltiert. Weitere Sehenswürdigkeiten am Weg:

Ahrweiler Weinwochen
5.–7. und 12.–14. September, jeweils ab 16 Uhr auf dem Ahrweiler Marktplatz. Info: 02641 / 91 71-0. www.ahrtal.com → Infos zum Weinfest

Hemmessener Hütte
Seit 1978 von der Bürgergesellschaft Hemmessen betrieben. Auf dem Licher Berg nördlich von Bad Neuenahr gelegen. Zu Fuß und mit Pkw zu erreichen. Geöffnet: September/Oktober Sa, So 11–18 Uhr. Info: 02641 / 257 88.
www.hemmessener-huette.de

Uferlichter
Der Weihnachtsmarkt im Kurpark. Highlight sind die beleuchteten Kunstwerke auf dem Gelände. Regiona- le Händler verkaufen Glühwein und Spezialitäten. 5. Dezember 2025 bis 11. Januar 2026. Geöffnet: Fr, Sa 15–21 Uhr, So und „zwischen den Jahren“ 14–21 Uhr. Eintritt frei. Info: 02641 / 91 71-0.
www.uferlichter.de

Tags: Ahrtal , Ausflug , Ausflugstipp , Wandern , Wein

Kategorien: Reisen und Ausflüge , Tagesausflüge