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Kölner Köpfe – Dieter van Dillen

Jeannette Fentroß, August 2025 · 10.02.2026

Dieter van Dillen. Foto: Jeannette Fentroß

Dieter van Dillen. Foto: Jeannette Fentroß

Dieter van Dillen (85) ist leidenschaftlicher Spielwarenhändler, doch das war er nicht immer.

Ihr Traditionsgeschäft in Lindenthal gleicht einem Museum.

Ich habe hier eine der größten Schaukelpferdsammlungen Deutschlands und noch viele limitierte Kuscheltiere oder Teddybären. Manche Artikel, wie das Blechspielzeug, sind inzwischen Raritäten. Als eines Tages ein älterer Herr in den Laden kam und von jedem Karussellmodell aus Blech eines kaufte, erkundigte ich mich nach dem Alter der Kinder. Der Mann antwortete, er wollte die Spielzeuge für sich haben. Als Kind hatte er oft davon geträumt, aber die Eltern hatten damals nicht genug Geld.

Seit 45 Jahren betreiben Sie nun Ihr Geschäft. Wie kam es dazu?

Die Idee kam, als ich für meine drei kleinen Neffen nie das richtige Spielzeug gefunden habe. Es sollte kreativ sein und Spaß machen, sich damit zu beschäftigen. Früher war hier eine Drogerie, in der ich immer meine Rasierklingen gekauft habe. Den 70-jährigen Inhaber habe ich eines Tages gefragt, wie lange er noch arbeiten wolle. Er antwortete mir: „Wenn Sie den Laden übernehmen, dann höre ich morgen auf!“ Spontan nahm ich das Angebot an und kündigte meinem damaligen Chef.

Was haben Sie denn davor gemacht?

Ich bin in Lindenthal geboren und aufgewachsen. Als Kind haben wir hier noch auf den Straßen gespielt. Nach meiner Schulzeit folgte eine vierjährige Lehre zum Uhrmacher. Dann kam von heute auf morgen die moderne Quarzuhr auf den Markt. Mein Beruf war nicht mehr gefragt. Ich habe eine weitere Lehre als Großhandelskaufmann gemacht, um weitere Möglichkeiten zu haben.

Was hat sich im Laufe der Jahre verändert?

Die ersten dreißig Geschäftsjahre waren gut, aber seitdem lebe ich von meinen Ersparnissen und der Rente. Herstellerfirmen sowie Spielwarengeschäfte schließen nach und nach. Online-Händler können günstigere Preise aufrufen. Gerade erst habe ich mein Lager ausgeräumt. Die Kunden freuen sich über die inzwischen seltenen, ausgefallenen Artikel und sind begeistert. Aber gekauft wird leider zu wenig, weil Kinder fast nur noch am Computer spielen. So erzählte ein Herr, wie er für seinen Enkel ein Bastelset aus Holz erwarb und der gemeinsame Zusammenbau nur zur Hälfte klappte. Der Filius hatte dann keine Lust mehr und hantierte lieber mit dem Smartphone.

Denken Sie mit 85 Jahren nie ans Aufhören?

Ich brauche eben eine Beschäftigung (lacht). Eigentlich wollte ich so lange weitermachen, wie ich stehen kann. Doch die neuen Gesetzesvorgaben, wie digitale Kassen- oder Bestellsysteme, zwingen mich zum Umdenken. Schweren Herzens werde ich das Geschäft zum Jahresende schließen. Zuvor wird es noch einen Ausverkauf geben, dabei können fleißig Weihnachtsgeschenke eingekauft werden.

Was werden Sie dann in Ihrer Freizeit machen?

Ich lese sehr viel, gehe in den Park und werde mich nie langweilen. Ich besuche auch sehr gerne Flohmärkte. Dort habe ich manches seltene Stück auch für den Laden erstanden.

Tags: Dieter van Dillen , Geschäft , Kölner Köpfe , Ruhestand , Traditionsgeschäft