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Unser Köln

Kölner Köpfe – Wolfgang Hollmer

Jeannette Fentroß · 27.08.2026

Foto: privat

Foto: privat

Wolfgang Hollmer (83) war schon immer viel unterwegs – erst per Anhalter, dann rund 60.000 Kilometer auf dem Rad

Wann haben Sie mit dem Reisen begonnen?

Im Alter von 14 Jahren trampte ich alleine bis Sizilien und zurück. Nach meiner Schriftsetzer-Lehre und dem Grafikstudium an der Kölner Werkschule reiste ich zwei Jahre um die Welt. Als mein Vater einen Herzinfarkt erlitt, brach ich die Reise ab.

Und dann haben Sie doch hier in Köln Fuß gefasst?

Ja, ich blieb und arbeitete bis zur Pensionierung in einem Kölner Zeitungsverlag. Es hielt mich jedoch nicht vom Reisen ab. In Australien habe ich meine Frau kennengelernt. Die Ehe hielt zehn Jahre. Nach der Trennung zog sie zurück in ihr Heimatland. Sie respektierte den Wunsch unserer beiden Kinder, in Köln zu bleiben. Und plötzlich war ich alleinerziehender Vater. Viele Jahre später lernte ich eine Italienerin kennen und war gerade fünfzig, als ich nochmal Vater wurde.

War das Radfahren schon immer ein Hobby?

Nein – 2011 habe ich eine Herzoperation überstanden. Für die Fitness kaufte ich mir ein E-Bike. Nachdem ich 2013 mit dem Auto durch Frankreich gefahren war, beschloss ich 2014, dieses Land mit dem Rad zu besuchen. Seitdem bin ich gut sechs bis neun Monate im Jahr im Sattel. Ich besuchte die Türkei und erstmals Marokko. Ich sah die nicht untergehende Sonne am Nordkap und fuhr nach Georgien und über die Türkei, Albanien und Italien zurück. Mit der Fahrt über den Gotthard erfüllte ich mir einen Traum. Neuseeland und Australien waren die Höhepunkte all meiner Radreisen.

Was waren die schönsten Erlebnisse?

In Neuseeland habe ich 1965 ein junges Mädchen fotografiert, das nach Münzen tauchte. Sechzig Jahre später traf ich sie am gleichen Ort wieder und übergab ihr das Foto. In Norwegen hat mir ein Schaffner das Zugticket für die mehrstündige Fahrt nach Oslo geschenkt. Vor zwei Jahren bin ich durch Rumänien gefahren. Auf der Suche nach einem einfachen Schlafplatz wurde ich in einen prunkvollen Raum mit golden verzierten Möbeln eingeladen. Ich schlief königlich. Und wenn ich unterwegs erzähle, dass ich mit dem Rad aus Köln gekommen bin, höre ich oft die Frage nach meinem Alter. Häufig werde ich jünger eingeschätzt, das bringt mir stets gute Laune.

Warum reisen Sie immer alleine?

Sobald ich vom Rad absteige, bin ich nicht mehr allein. Ich erlebe überall große Gastfreundschaft. Inzwischen bin ich Mitglied in einem weltweiten Netzwerk, das Radfahrern freie Übernachtung anbietet. Ich selbst beherberge jedes Jahr dreißig Gäste aus aller Welt. So kam vor rund drei Jahren ein junger Mann aus Chile zu mir – und blieb hier (lacht). Jetzt wartet seine Familie auf meinen Besuch in Südamerika.

Das Gespräch führte Jeannette Fentroß.

Tags: Fahrrad , Interview , Kölner Köpfe , Reisen , Ruhestand

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