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Unser Köln

Schon gewusst, dass die Kölner Straßenbahn einst Pferdeäpfel hinterließ?

Samuel Dreßen, LVR-Redaktion KuLaDig · 12.05.2026

Historische Aufnahme der Kölner Hahnentorburg am Rudolfplatz, davor ein Wagen der Kölner Pferdebahn (um 1890). Foto: unbekannt / Rheinisches Bildarchiv

Historische Aufnahme der Kölner Hahnentorburg am Rudolfplatz, davor ein Wagen der Kölner Pferdebahn (um 1890). Foto: unbekannt / Rheinisches Bildarchiv

Kennen Sie die tierische Vergangenheit der Kölner Verkehrsgeschichte?

Heutzutage ist man mit der Straßenbahn schnell in der Kölner Innenstadt. Vor über 120 Jahren musste man jedoch ein wenig mehr Zeit einplanen, denn vorwärts ging es nur im Pferdetempo. Im Jahr 1877 eröffnete der Unternehmer Ernst Hardt (1837–1898) die „Pferde-Eisenbahn E. Hardt & Cie.“ und gilt damit als Begründer der Kölner Straßenbahn, damals liebevoll von den Kölnern „Päädsbahn“ genannt. Sie verband viele der noch eigenständigen Orte wie Nippes, Ehrenfeld, Lindenthal oder Sülz erstmals mit dem Kölner Stadtgebiet. Das Geschäft war lukrativ.

Vom Kölner Dom zum Zoologischen Garten

Kein Wunder also, dass der belgische Unternehmer Frédéric de la Hault (1826–1882) der Hardt’schen „Päädsbahn“ bereits kurz darauf Konkurrenz machte. Er erhielt sogar die Genehmigung zur Eröffnung einer innerstädtischen Rundbahn, die Halt an einigen vielbesuchten Plätzen und Kirchen machte. Vor allem die Linie vom Kölner Dom am Rheinufer entlang zum Zoologischen Garten in Riehl erfreute sich bei „tierisch“ interessierten Touristen großer Beliebtheit – und dies trotz der geringen Fahrtgeschwindigkeit von 8 bis 10 Stundenkilometern und den in den 1880er Jahren nicht unerheblichen 10 Pfennig pro Billet.

Das Interesse an dem komfortablen Fortbewegungsmittel war sogar so hoch, dass das Schienennetz zunehmend erweitert wurde und um 1899 bereits über sechzig Kilometer in Stadt und Umland umfasste. Der Bahnbetrieb verfügte um die Jahrhundertwende über mehr als 340 Waggons und 760 Tiere, die in den Hallen und Ställen eines Pferdebahn-Depots in Riehl untergebracht und gepflegt wurden.

Name einer Karnevalsgesellschaft

Das Tagesgeschäft einer jeden Bahnlinie übernahmen – natürlich neben den Pferden! – je ein Kutscher und ein Schaffner. Nachdem die Stadt Köln die „Päädsbahn“ im Jahr 1900 erworben hatte, wurden immer mehr Verkehrslinien elektrifiziert, nicht zuletzt wegen der Krankheitsanfälligkeit der Zugtiere. So mussten etwa 1902 bei einem Krankheitsausbruch – ausgelöst durch einen als „Rotz“ bezeichneten Infekt – im Pferdebahn-Depot siebzig Pferde auf einmal notgeschlachtet werden.

Bis 1903 waren beinahe alle Linien auf elektrischen Betrieb umgestellt. Lediglich zwischen Nippes und Flora verkehrte noch bis 1907 eine Pferdebahn-Linie. Auf ihrer letzten Fahrt wurde der Waggon von Gärtnern der Flora mit Fahnen und Blumen geschmückt und von Fackelträgern nach Nippes begleitet. Die heutige KVB, die als Rechtsnachfolgerin des tierischen Transportmittels gilt, ehrte die Pferdebahn übrigens nachträglich durch den Namen ihrer Karnevalsgesellschaft „Pänz vun d’r Päädsbahn“.

Tags: KVB , Mobilität , Stadtgeschichte , Straßenbahn

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